Es war der 23. Dezember und ich wartete sehnsuchtsvoll auf mein größtes und schönstes Weihnachtsgeschenk. Doch allzu schnell sollte ich es scheinbar nicht erhalten. So wartete und wartete ich, gemeinsam mit meinem Fahrer, vor der Ankunftshalle des Flughafens in Accra auf das Eintreffen des Fliegers aus Istanbul. Landung. Wir warteten weitere Stunden.
Nach einer kleinen Verspätung und zusätzlichen technischen Problemen (zusammen circa drei Stunden) liefen mir meine beiden vollbepackten Weihnachtsgeschenke endlich in die Arme.
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| Leon und Erna am Flughafen in Accra |
Gemeinsam ging es mit dem Taxi durch die ghanaische Nacht von Accra nach Cape Coast in meine Heimat auf Zeit.
Der Besuch meines Bruder und meiner Mama bedeutete nicht nur endlich meine Familie wieder zu sehen und mein Leben hier vorstellen zu können, sonder erhöhte kurzzeitig auch den Lebensstandart meiner WG:) Denn wir bekamen Käse, Wurst, Pudding, Schokolade, Gummibärchen, …
Ein unvorstellbarer Genuss!
DANKE!
Und das alles passend zu Weihnachten.
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| Afehyiapa, Merry Christmas und Frohe Weihnachten |
Die ersten Tage des zweiwöchigen Urlaubes verbrachten wir in Cape Coast. Wir besichtigten meine Schule, das Cape Coast Castle, das Fort William, den Kakum Nationalpark, den Strand, …
Danach begann die „richtige“ Reise. Im öffentlichen Bus fuhren wir in die zweitgrößte Stadt Ghanas, Kumasi. Die Hauptstadt der Ashanti liegt 4 bis 6 Stunden nördlich unseres Küstenstädtchens. Nach einer Fahrt auf holprigen Straßen, in erdrückender Hitze und mit interessanten „Toilettenpausen“ kamen wir völlig erschöpft an unserem Ziel an.
In eineinhalb Tagen besichtigten wir das Kulturzentrum mit seinen kleinen Souvenirshops, durchstreiften unzählige kleine Gässchen und verbrachten viel Zeit auf dem Zentralmarkt. Mein Reiseführer beschreibt den Markt sehr treffend mit unter anderem folgenden Worten:
„ Der Mark ist ein absoluter Superlativ. Der Central Market ist groß, er ist laut, er ist vital, charmant und hässlich, er ist chaotisch, aber er funktioniert.“
„ Ohne Zweifel hat Kumasi den in seiner Größe beeindruckendsten Markt Afrikas, circa 10 ha groß, was etwa 14 großen Fußballfeldern entspricht.“
„Man sagt, es gibt außer Flugzeugen und Schiffen fast nichts, was man dort nicht kaufen könnte.“
„Kumasis Zentralmarkt überwältigt die meisten Besucher und macht sie oft innerhalb nur einer halben Stunde so fertig, dass sie schnell das Weite suchen.“
In meinen Augen eine sehr treffende Beschreibung.
Selten hatte ich eine solche Überflutung an Reizen zu verarbeiten. Gerüche von alten und neuen Klamotten und Schuhen, von Fisch und Fleisch, leckerem Obst und gekochten Speisen, von lebenden Tieren, verbranntem Müll, Vekalien, … drangen auf mich ein. Hinzu kamen die verschiedensten Geräusche(Obruni – Rufen aus allen Ecken Marktschreiern, Tieren, …) Auch die Augen kamen nicht zu kurz, denn die Lebensmittel und Stoffe erstrahlten den buntesten Farben, der Boden hingegen war belagert von Abfall und Dreck. Der Markt lebt. Es herrscht ein Gewusel und Gewimmel in den Gassen, an denen selten zwei Menschen nebeneinander hergehen konnten, dass mit keinen Worten zu beschreiben wäre.
Ich genoss ich das lebhafte und geschäftige Treiben und die vielen auf mich einströmenden Eindrücke weshalb wir nicht nach kurzer Zeit flohen.

Nach dem Großstadterlebnis war dringend Erholung nötig. So machten wir drei uns am frühen Morgen mit dem TroTro nach Takoradi auf (ca. 6 Stunden). Dort stiegen wir um in Richtung Agona Junction, wo wir erneut das TroTro wechselten. Aus zunächst unerkannten Gründen verschlechterte sich der Zustand unserer Gefährte rasant. Unser letztes TroTro hatte wenig Platz, einen Kofferraum der sich nicht schließen ließ, einen von Rüstlöchern überzählten Boden – auf dem man nur noch dank ein paar Holzlatten stehen konnte, nur noch wenige Scheiben, ein wackelndes Dach, … Nachdem wir ein paar Minuten mit diesem „Ding“ unterwegs waren wurde mir sehr schnell klar, weshalb sein Zustand derart miserabel war. Der Untergrund auf dem wir uns bewegten verdiente nicht den Namen Straße, das war klar, aber selbst Buckelpiste oder mit Schlaglöchern überhäufter Schotterweg sind noch sehr verschönte Umschreibungen. Die nur wenigen Kilometer zogen sich in die Länge und ich bezweifle, dass man zu Fuß deutlich langsamer gewesen wäre. Nachdem wir an kleinen abgelegenen und ärmlich wirkenden Ortschaften vorbeigefahren sind erreichten wir unser Ziel – die Green Turtle Lodge. Eine von Engländern geführte Ökounterkunft am Meer unweit von dem Fischerdorf Akwidaa gelegen.
In einer kleinen Hütte mit Meerblick, einer Dusche unter Bananenpflanzen, einem Strand der nur in Träumen existiert und bei wunderbarem Wetter verbrachten wir dort einige schöne Tage.
Zum Beispiel unternahmen wir eine Wanderung zum südlichsten Punkt Ghanas. Das Ganze klingt sehr locker, war es jedoch bei Weitem nicht. Wir unterschätzten sowohl die Entfernung als auch die Verkehrsdichte der Straße. Stundenlang schleppten wir uns in der prallen Mittagshitze auf einer verlassenen staubigen Straße und mit wenig Wasser in Richtung Cape Three Point. Kein Auto kam und nahm uns mit – keines! Um nicht völlig ausgetrocknet dort anzugelangen stahlen wir eine Kokosnuss und öffneten diese fachmännisch mit unseren Taschenmessern. Nach einigen Stunden erreichten wir unser Ziel. Wir besichtigten den Leuchtturm, genossen die Stille, die wundervolle Aussicht und vor allem das Trinkwasser. Wie schon gesagt, die Straße war nicht sonderlich befahren und so mussten wir denselben Weg zu Fuß zurück – und das auch noch relativ zügig, denn wir wollten noch das Silvesteressen bestellen… Völlig erschöpft erreichten wir in der Loge an. Am Abend feierten wir gemeinsam mit allen anderen Gästen am Strand mit Lagerfeuer in das neue Jahr 2012 rein. Ungewohnt aber schön :)
Es folgten noch ein paar Badetage mit kleineren und weniger anstrengenden Ausflügen bevor wir wieder nach Cape Coast zurück mussten.
Jetzt hieß es noch schnell die letzten Besorgungen machen und dann war auch schon Kofferpacken und Abschied nehmen angesagt.
Ich begleitete Erna und Leon noch nach Accra zum Flieger der sie wieder in das ferne und kalte Deutschland bringen sollte…
Leider sind die zwei Wochen wie im Flug vergangen…
Gemeinsam mit Steffen, Julia (die wir in Accra aufgabelten) und unserem Fahrer fuhren wir, ohne meine Familie, wieder in unsere Wohnung in North Ola.