Die öffentlichen Verkehrsmittel haben in Ghana einen ganz anderen Stellenwert und eine viel größere Bedeutung, als man es sich als Europäer vorstellen kann.
Auf Ghanas Straßen wimmelt es gerade von Taxen, die ihre besten Jahre schon weit hinter sich haben. Bis zum heutigen Tag bin ich noch nicht in den Genuss gekommen Fahrgast eines verkehrssicher ausgestatteten Gefährts zu sein. Gerne fehlen Spiegel, Verkleidungen, Kopfstützen, Scheibenwischer, Reifendruck und Fenster. Ganz zu schweigen von Sicherheitsgurten – diese existieren hier überhaupt nicht, was zu Beginn doch etwas unheimlich war, doch mittlerweile kann ich den erlernten „zum-Gurt-greif-Reflex“ schon ganz gut unterdrücken. Es gibt jedoch nicht nur sichtbare Mängel. Autos knarzen und knacken, stinken und verlieren Flüssigkeiten, reagieren nur verzögert auf Befehle und fühlen sich einfach nur nach Schrott an. All diese fast unbedeutenden Kleinigkeiten veranlassen die Fahrer zu einem rasanten und riskanten Fahrstil, natürlich bei, wenn vorhanden, offenem Fenster, und ganz wichtig, bei penetrantem und durchgängigem Gehupe. Denn die Hupe ist das einzige, was bei allen kleinen und beklebten Gefährten mit hundertprozentiger Sicherheit funktioniert. Glaubt mir, ihr könnt euch diesen Taxenlärm nicht annähernd vorstellen. Sie hupen wenn sie bis auf den letzten Platz oder darüber hinaus belegt sind, wenn noch Mitfahrer hineinpassen, um anzuzeigen in welche Richtung sie fahren, weil sie Passanten Grüßen wollen, du im Wege stehst – oder aus purer Freude am Lärm.
Wie gesagt, Taxen fahren immer und überall. Man stellt sich an den Straßenrand, hebt seine Hand und ein Taxi hält. Danach wird der Zielwunsch geäußert und gehofft, dass der Fahrer das gleiche Ziel ansteuert, wenn nicht hält man einfach das nächste vorbeikommende Taxi an. Die Beförderungsgrenze von 5 Personen gilt hier auch nur als vager Richtwert. Ich selbst bin bisher mit höchstens 6 weiteren Personen in einem Taxi gefahren, habe aber schon von Freunden gehört, die ein Taxi mit 13 Fahrgästen und Fahrer gesehen haben (je zwei Personen auf Fahrer- und Beifahrersitz, sechs auf den Rücksitzen und noch vier Kinder im offenen Kofferraum). Von Taxametern fehlt hier jegliche Spur. Somit hängt der zu zahlende Preis von der Laune des Fahrers, der Länge der Strecke, der eigenen Selbstsicherheit und den angewendeten Verhandlungskünsten ab. Doch normalerweise zahlt man zwischen 0,25 € und 1€ führ eine Fahrt von bis zu 15 Minuten.
Die Verkehrssicherheit der TroTros übersteigt die der Taxen oft noch, unvorstellbar, aber möglich. Ein TroTro ist meist ein ausgeschlachteter Kleinbus mit neu eingebauten Sitzreihen, die äußerst unbequem sind und sicherheitstechnisch keinerlei Bedeutung haben. Der Raum eines solchen äußerst günstigen Busses wird optimal genutzt und so können bis zu 20 Personen darin „platz“nehmen.
Aber was wären die Autos hier ohne die straßenähnlichen oder auch weniger ähnlichen Wege. Hat man Glück verläuft die Strecke auf geteertem Untergrund. Häufiger sind jedoch mit Schlaglöchern übersäte Sand- und Lehmpisten anzutreffen. Bei ungefederten Fahrzeugen eine Zumutung für den ganzen Körper – noch schlimmer jedoch zu Fuß :)
Ihr werdet es kaum glauben, ich habe mich sehr schnell an all das oben geschriebene gewöhnt und genieße jede Minute, die ich mit kühlem Fahrtwind in einem Taxi oder TroTro verbringe :)
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