Sonntag, 2. Oktober 2011

Einblicke in mein Leben

Ganze drei Wochen -  eine gefühlte Ewigkeit -  wohne ich nun schon im fernen Ghana, doch wie schaut mein Leben eigentlich aus?

Essen:
Die Nahrungs- und Getränkeaufnahme gehört zu den großen Herausforderungen des Alltags. Was erlaubt unser Budget, was bekommt man hier auf dem Markt, was geben unsere Kochkünste her und was lässt sich in unserer bescheidenen Küche zubereiten, sind immer wiederkehrende und unvermeidbare Fragen.
Tja, was soll ich sagen… 
In unserem Verpflegungsbudget stehen für jeden ca. 120 GHC im Montat zur Verfügung. Am Anfang begegneten wir diesem Betrag mit einer gewissen Skepsis, die sich aber schnell legte. Mit den umgerechneten 60 € kann man zwar keine allzugroßen kulinarischen Sprünge machen, doch es lässt sich gut damit leben - vor allem wenn man weiß, was man wo und zu welchem Preis kaufen sollte.
So gibt es auf dem Markt immer und reichlich Weißbrot, Reis, Nüsse frische Ananas, Kokosnüsse, Bananen, Orangen, Mandarinen, Tomaten, … Verzichten müssen wir auf sämtliche Milchprodukte, Fleisch- und Wurstwaren, Brotaufstriche – was auch alles unglaublich schwer oder gar nicht zu finden ist. Gut, ganz verzichten müssen wir nicht, denn es gibt die kleinen unglaublich tollen Packete der Eltern und auch den ein oder anderen Laden der besagte Leckerbissen führt.
Aber auch mit dem Trinken ist es nicht so einfach. Man trinkt hier Wasser aus kleinen Tütchen mit gratis Chlorgeschmack. Alles was geschmacksmäßig in höheren Ligen spielt ist unglaublich teuer :( aber erhältlich  :)
Also keine Sorge: Wir verhungern nicht und gönnen uns natürlich auch den ein oder anderen Luxusleckerbissen… - außerdem findet man mit der Zeit die kleinen versteckten günstigen und uns unbekannten ghanaischen Leckereien.

Kleiner Gemüsestand in unserer Nähe


So haben wir für den Morgen einen einen unglaublich guten Nutellaersatz, fruchtige Marmelade, klebrige Groundnutcreme und auch Cornflakes gefunden :) 
Mittags ist jeder auf sich alleine gestellt und bei mir gibt es dann gerne mal frittierte Yam, kleine krapfenähnliche Gebäcke oder Minipfannküchlein.
Abends kommt unsere Kreativität dann vollends durch: Es gibt entweder Reis mit Tomatensoße, Nudeln mit Tomatensoße ODER Reis, Nudeln und Tomatensoße.
Tja, also wenn jemand tolle Tipps für uns hat, wir sind für jede Art von Hilfe offen  und sehr dankbar :)

Fufu: ghanaisches Nationalgericht - gewöhnungsbedürftig

Tagesablauf: 
Wie schaut unser Arbeitsalltag aus:
6:10 Aufstehen – Duschen/Waschen/Anziehen – Schulsachen packen – Frühstück machen und essen
7.15 Auf geht’s zu Fuß Richtung Taxi- bzw. Trotrostation  - Preis verhandeln und dann geht die abenteuerliche und verkehrssichere Fahrt los :D
7.55 Ankunft in der Schule (Meist ist um diese Uhrzeit noch kaum jemand unterwegs. Nur ein paar kleine Kinder freuen sich uns zu sehen, nehmen uns bei der Hand und laufen mit uns zu den Klassenräumen)
8.30 Assembly und kurz darauf Unterrichtbeginn
14.00 Endlich ist der Schultag aus - Taxi Richtung Markt -  Einkaufen - erneute Taxisuche - noch 20 Minuten durch die Hitze laufen  
 --> gegen 15.00 sind wir dann endlich total erschöpft und verschwitzt zu Hause.
Dann geht’s ans gemeinschaftliche Essen, Aufräumen, Wäschewaschen, Erholen und Unterricht vorbereiten. Und schon ist es wieder Kochenszeit für das Abendessen. Danach gehen wir oft ins Internet, Telefonieren, genießen einen kurzen Film oder eine Folge „How I met you mother“. Schon fallen wir fix und fertig unsere unter dem Moskitonetz versteckten Bettchen – doch schlafen ist nicht so einfach bei der Hitze und dem durchgängigen Lärmpegel.
Am Wochenende schaut unser Tagesablauf natürlich etwas anders aus :) Morgen gehen wir zum Beispiel mit den anderen WGs auf den Markt einkaufen und danach ans Meer – auch weggehen ist hier gute möglich :)

Fischerbote in Cape Coast

Strand - Cape Coast Castle
Unser erster unerwarteter Wasserkontakt
 
Unser Hausstrand - 10 Minuten Fußweg


Das Leben hier in Ghana ist wunderschön und einfach ganz anders - deshalb im Moment noch unglaublich anstrengend und stressig… eigentlich komisch, denn die Ghanaer sind die Ruhe selbst.


Arbeit:
Die Arbeit – wobei, kann man es überhaupt so nennen? – an der Gehörlosenschule Cape Coast School for the Deaf macht mir von Tag zu Tag mehr Freude.
--> Ein paar Infos zur Schule und meinen ersten Tagen stehen unter „Cape Deaf“
Mittlerweile bin ich Mathelehrerin in Klasse 4 der Primary School und unterrichte dort Schülerinnen und Schüler zwischen 11 und 19 Jahren. Den restlichen Schultag verbringe ich mit korrigieren, assistieren, Sign Language lernen und WARTEN.
Trotz der vielen Zeit dich ich mit herumsitzen verbringe und der noch bestehenden Kommunikationsproblemen bin ich mit meinem Projekt bisher sehr zufrieden.
In den nächsten Wochen werde ich versuchen neben meinem Unterricht eine Art Nachhilfe- oder Förderunterricht für Mathe ins Leben zu rufen beziehungsweise anzuregen. Viele Kinder tun sich unglaublich schwer mit dem Schreiben, der englischen Sprache und eben auch dem Rechnen…  

Hier ein paar Bilder meiner Klasse:

Im Klassenzimmer mit Schülern meiner 4. Klasse
Fotoshoot nach dem Unterricht

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